Mittwoch, 16. März 2016

A wie Augenjacke (12 letters of handmade fashion)

Ein sehr persönliches Bekenntnis zu Beginn: Ich würde gern viel häufiger mehr Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein ausstrahlen. 
Gerade bei Interaktion mit Fremden bin ich unsicher, in unerwarteten Konfrontationen häufig um Worte verlegen und schlagfertig bin ich ohnehin erst auf dem Nach-Hause-Weg. Manchmal fällt es mir unendlich schwer Blickkontakt im Gespräch aufrechtzuerhalten oder meiner Stimme einen festen, bestimmten Klang zu geben. 

Immerhin weiß ich ja aber über dieses Defizit Bescheid. Ich arbeite an mir. Das sage ich nicht nur so, sondern das tu ich wirklich.
Auf der Straße übe ich zum Beispiel ganz bewusst, den Blickkontakt zu Fremden auszuhalten, oder wenn ich mich unsicher fühle (also nachts allein in Berlin irgendwo am U-Bhf...) stell ich mir vor, ich werd von zwei riesengroßen, schwarzen Hunden begleitet. Dann verändert sich meine Körpersprache und mein Gang ganz automatisch. (Den Hunde-Trick hab ich aus dem Roman "Tigermilch" von Stefanie Velasco.)
Zudem habe ich auch festgestellt, dass ich mich in bestimmter Kleidung auch anders bewege als in anderer. Hab ich zum Beispiel meine Dr. Martens an, geht mir sofort das dazu passende Lied von den Kassierern durch den Kopf und keiner kann mir was. (Die Schuhe auf dem Foto sind allerdings von Esprit, aber die haben farblich gerade so gut gepasst.) 

Was hat das ganze Vorgeplänkel eigentlich mit dieser Jacke zu tun?
Eine Studie hat ergeben, dass sich Menschen eher den Regeln und sozialen Normen entsprechend verhalten, wenn sie sich beobachtet fühlen. Dazu reichte schon ein winziges Piktogramm eines Auges auf den anonymen Fragebögen. Das Ergebnis war jetzt vielleicht nicht wirklich überraschend aber immerhin die ausschlaggebende Inspiration zu dieser Jacke.
Dadurch entstand die Idee ein Kleidungsstück zu machen, dass mir ganz bewusst Selbstsicherheit verleiht. Zusätzlich zu dem Auge, welches mir quasi den Rücken schützt, hab ich extra festes Bügelvlies genommen und mich für eine hohe Kragenvariante entschieden. Außerdem hab ich diesmal kein husch-husch-ich-hab-keine-Zeit-das-Kleid-muss-bis-Ende-von-Sinas-Mittagsschlaf-fertig-sein-Stück genäht, sondern hab viele (also für mich viele, für andere ist so was Standart) Details mit eingearbeitet.
Die Jacke hat grüne Paspeln an den Saum- und Ärmelblenden, Leistentaschen, ...
... und ein wirklich schönes Futter aus Baumwollstoff. 
Fazit ist: Ich bin stolz auf diese Jacke und das verleiht mir wahrscheinlich die meiste Sicherheit. 

Details für Nähinteressierte zum Schluss
Schnitt: Mantel "Malu" von Schnittchen.
Änderungen am Schnitt: Keine sich überlappende Front. Ich wollte, dass man den Reißverschluss sieht.
Außenstoff: Wolle-Baumwollgemisch vom Maybachufer.
Futterstoff: Baumwollstoff aus dem Zick-Zack Berlin.
Paspel und Reißverschluss ebenfalls aus dem Zick-Zack Berlin.

Mit der Augenjacke mach ich bei 12 letters of handmade fashion mit.Die Challenge wird diesmal von Jenny moderiert und ich habe einen inneren Luftsprung gemacht, als sie das "A" gezogen hatte. Ich verfolge die Ergebnisse jedesmal ganz gespannt und freue mich riesig diesen Monat mitmischen zu dürfen. 

Und weil Mittwoch ist und die Hose ebenfalls selbergenäht, gibt es hier moch meinen Link zum Me-Made-Mittwoch. Jede Woche bin ich von der unglaublichen Schaffenskraft der Nähcommunity begeistert!